Gundermann

Sonntag, 24.03.2019 – Matinée
Der neueste Film von Andreas Dresen (Wolke Neun) ist dem 1998 im Alter von 43 Jahren verstorbenen Liedermacher Gerhard Gundermann gewidmet, der einer der widersprüchlichsten Personen der DDR war. Neben seinem Beruf als Baggerfahrer begann er in den Achtzigerjahren mit seinen poetischen, einfühlsamen und kritischen Texten mit seiner Band „Brigade Feuerstein“ durch die Clubs zu tingeln. Direkt und ehrlich nahm er kein Blatt vor den Mund, was ihn seine SED Mitgliedschaft kostete. Doch Gundermann fühlte sich der sozialistischen Ideologie verbunden und arbeitet bis 1984 als IM bei der Stasi, bis er „wegen prinzipieller Eigenwilligkeit“ entlassen wurde. Der Schauspieler Alexander Scheer verkörpert sehr passend die Figur des kauzigen, unangepassten Gundermann, der sich auf die Suche nach der Richtigkeit des Erinnerns macht und versucht sich seinem Verdrängung und Vergessen zu stellen. „Ich werde nicht um Verzeihung bitten. Aber mir selbst kann ich nicht verzeihen.“ Andreas Dresen ist einer der klügsten, vielschichtigsten und differenziertesten Filme über die DDR gelungen.

Mary Shelly

Donnerstag, 04.04. 2019 bis Mittwoch, 10.04.19, täglich, außer Montag, um 16:45 Uhr; Montag um 19:30 Uhr
Die Regisseurin Haifaa Al Mansour (Das Mädchen Wadja) erzählt in ihrem neuesten Film das außergewöhnliche Leben der weltberühmten „Frankenstein“- Autorin Mary Shelley. Die 16jährige Mary (ElleFanning) wächst im Hause ihres Vaters, des Philosophen und Buchhändler William Goodwin auf, der zunächst ihre literarischen Bestrebungen unterstützt. Doch als sie mit dem fünf Jahre älteren rebellischen Poeten Percy Shelley (Douglas Booth) durchbrennt, steht ihr ein turbulentes, mühsames Leben außerhalb gesellschaftlicher Normen bevor. Als sie 1816 zusammen mit dem Arzt Polidori und ihrer Stiefschwester einen verregneten Sommer bei Lord Byron am Genfer See verbringen, initiiert Byron ein Schreibduell: Wer schreibt die beste Schauergeschichte zu dem Titel „Frankenstein oder die Schaffung des Prometheus.“ Der Film zeigt den Kampf einer Frau um ein selbstbestimmtes Leben – nicht nur in Liebesdingen, sondern auch in ihre künstlerische Emanzipation in einer männerdominierten Welt. Denn sollte eine schreibende Frau in der Lage sein diese Gruselgeschichte über ein Monsters zu schaffen, das von der Überwindung von Einsamkeit und Entfremdung träumte ? Darin war Mary Shelley ihrer Zeit weit voraus.

Glücklich wie Lazzaro

Sonntag, 28.04.2019 – Matinée
Der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher ist mit ihrem neuesten Film „Glücklich wie Lazzaro wieder ein verzaubernd märchenhafter und zugleich dokumentarisch realistischer Film gelungen. Der genügsame und immer hilfsbereite Lazzaro ist ein junger Landarbeiter auf einem abgeschiedenen Landgut in Norditalien. Er baut Tabak für die adelige Marchese an. Obgleich das Arbeitsverhältnis fast mittelalterliche Feudalstrukturen aufweist ist Lazzaro glücklich. Doch eines Tages geschieht ein Unglück und die Landarbeiter müssen sich ihren Lebensunterhalt in der anonymen Großstadt verdienen. Lazzaro, der beharrlich an seinem Glauben an das Gute festhält, muss sich den neuen Arbeitsverhältnissen stellen. Alice Rohrwacher ist wieder ein faszinierender Film gelungen, der in der Kombination einer poetischen, fast malerischen Atmosphäre und der nüchternen realistischen Schilderung an den magischen Realismus der Zwanziger Jahre erinnert. Ein gelungener Film, der nicht Halt macht vor der Kritik heutiger Arbeitsverhältnisse.

Capernaum, Stadt der Hoffnung

Start 02.05.2019
Der Film ist nach dem der biblische Ort Capharnaüm am See Genezareth benannt, der dem Wortsinn nach Chaos bedeutet. Der zwölfjährige Zain lebt in chaotischen Umständen, die er nicht schicksalsergeben akzeptieren möchte. in Rückblenden wird erzählt wie Zain in einer Großfamilie im Armenviertel von Beirut aufwächst. Als seine wenig ältere Lieblingsschwester an den Vermieter verkauft wird, läuft er von zuhause fort. Zunächst findet er Unterschlupf bei der jungen Äthiopierin Rahil und ihrem einjährigen Kind. Doch als Rahil wegen fehlender Ausweispapiere inhaftiert wird, wird der tägliche Überlebenskampf für Zain und das Baby lebensbedrohlich. Die libanesische Regisseurin Nadine Labaki hat in jahrelanger Arbeit mit Laiendarstellern vor Ort den Film entwickelt. Sie schildert nüchtern ohne Sentimentalität und Zynismus den ausweglosen Überlebenskampf jenseits von jeglichen Menschrechtskonventionen, in dem vor allem Kinder kaum eine Chance haben. In Cannes gewann der kluge und mehr als bewegende Film den Großen Preis der Jury und wurde mit Standing Ovations bedacht.