Der glücklichste Tag im Leben von Olli Mäki

der-glcklichste-tag-im-leben-des-olliMatinée, Sonntag 19.03.2017, 11 Uhr
In Cannes bekam der finnische Regisseur Juho Kuosmanen für seinen nostalgisch angehauchten Sportfilm den Hauptpreis in der Kategorie des besonderen Films. In Schwarz Weiß Bildern erzählt er die Geschichte des Leichtgewichtboxers Olli Mäki, der 1962 die einmalige Chance bekommt gegen den bis daher unbesiegten amerikanischen WM Titel Inhabers Davey Moore an zu treten. Sein Trainer und ehemaliger Weltmeister hat die Vision ihn als glamourösen Boxstar und nationalen Hoffnungsträger auf zu bauen. Doch dies entspricht keineswegs dem Wesen des schüchternen zurückhaltenden Olli Mäki, der sich gerade frisch verliebt hat. Als er nach Helsinki ziehen muss, nimmt er kurzerhand seine frisch verlobte Raija mit. Während sein Trainer um Ehrgeiz und Erfolgt  seines Zöglings bangt, fühlt dieser sich immer unwohler im Rampenlicht der Sportpresse und weiß längst, dass ihn der Sieg allein nicht glücklich macht. Kuosmanen ist ein ästhetisch beeindruckend romantisches Boxer- und Liebesdrama gelungen, augenzwinkernd humorvoll und mit unverfälschten Gefühlen.

Paterson

paterson-2016Start 06.04.2017
Jim, Jarmusch ist sich in seinem neuesten Film in gewisser Weise treu geblieben, denn auch hier gibt es einen distanzierten  und etwas in der Welt verlorenen Helden. Paterson (Adam Driver) ist Busfahrer und Poet. Zusammen mit seiner Freundin Laura und dem Boxerhund Marvin führt er ein ruhiges, beschauliches Leben in der Kleinstadt Paterson in New Jersey. Während Laura sich selbstverwirklicht indem sie täglich die Wohnung mit neuen schwarzweiß Mustern verwandelt und Backkunstwerke für Wettbewerbe schafft, liebt Paterson die Ruhe und Routine des Alltags. Jim Jarmusch schildert mit gewohnter Lakonie  die vermeintlich ereignislose Woche: das morgendliche zärtliche Träumeerzählen, das Belauschen der Gespräche seiner Passagiere im Bus, der Spaziergang mit Hund Marvin und der Small-Talk am Tresen der Stammkneipe. Nichts stört den harmonisch absurden ehelichen Schlagabtausch, nichts die beschaulichen Rituale des Alltags. Paterson beobachtet, wahrt Distanz und entdeckt die Poesie in den kleinen Dingen des Lebens, die er schriftlich festhält. Elegant, lakonisch minimalistisch ein echter Jarmusch.

 

The Happy Film

the-happy-film-2016Matinée, Sonntag 23.04.2017, 11 Uhr
Was macht glücklich? Kann man seine Persönlichkeit umgestalten und ein besserer Mensch werden? Kann man durch Übung lernen, glücklich zu sein? Das sind Fragen mit denen sich der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister beschäftigt. Sagmeister, der sehr erfolgreich Plattencover für unzählige Bands von den Rolling Stones über Lou Reed bis Aerosmith gestaltete, plante zunächst 18 Monate lang sich auf die Reise nach dem Glück zu machen. Als Grundidee dienen ihm die drei Wege, die der Psychologe Jonathan Haidt in seinem Buch „The Happiness Hyphothesis“ vertritt: Meditation, Therapie und Drogen. Jeweils drei Monate lang probiert Sagmeister die drei Methoden aus, meditiert in Indonesien, besucht in New York eine Psychiaterin und probiert die Wirkung von antidepressiven Medikamenten aus. Seine Herangehensweise ist nicht systematisch noch wissenschaftlich. Vielmehr setzt er seine subjektive Suche nach dem Glück eigenwillig und medienwirksam in Szene. Und immer wieder kommt ihm das Leben in die Quere.“ Dieser Film führt zu Anfällen von Einsicht, Empathie und purem Vergnügen.“ (Wired)

Manchester by the sea

manchester-by-the-sea-2016Start 04.05.2017
Lee Chandler (Casey Affleck) haust in einem kleinen Kellerapartment in Boston und verdient seinen Unterhalt als Hausmeister. Verschlossen und introvertiert pflegt er auch keinerlei soziale Kontakte. Als er jedoch vom plötzlichen Tod seines Bruders erfährt, kehrt er in die gemeinsame Heimatstadt Manchester zurück. Dort erfährt er mit großem Erstaunen und einer gewissen Hilflosigkeit, dass sein Bruder ihn zum Vormund seines 16jährigen Sohnes Patrick (Lucas Hedges) ernannt hat. Für Patrick, der 2 Freundinnen hat und in einer Band spielt, kommt es gar nicht in Frage Manchester zu verlassen. Im Gegensatz zu seinem Onkel ist er gut sozial vernetzt. In beiläufig eingefügten Rückblenden und Erinnerungen erfährt der Zuschauer die Hintergründe für die Abgestumpftheit von Lee. Wie jedoch der Regisseur Kenneth Lonergan dies macht, ist grandios. Mit seiner subtilen Beobachtung gelingt ihm die Gratwanderung von tragischen aber auch humorvollen Momenten. Nichts wirkt aufgesetzt oder manieristisch und dennoch zeigt er eine Komplexität und Vielfalt  menschlicher Emotionen, in ihrer Beiläufigkeit sehr außergewöhnlich.