Happy End

happy-end-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 01.02.2018 bis Mittwoch 07.02.18 täglich, außer Montag, um 17:00 Uhr. Montag um 20:00 Uhr
In seinem neuesten Film „Happy End“  zeigt Michael Haneke eine Familie, die keineswegs glücklich ist. Jean-Louis Trintignant spielt den lebensmüden alten Patriarchen, der seine Baufirma schon an seine Kinder weitergegeben hat. Seine  berechnende resolute Tochter Anne (Isabelle Huppert) leitet zusammen mit ihrem labilen und wenig ambitionierten Sohn Pierre das Familienunternehmen. Ihr Bruder Thomas erweckt den Eindruck eines gut situierten Arztes. Doch seine erste depressive Frau beging Selbstmord, so dass die gemeinsame  zwölfjährige Tochter Eve gerade in die Familienvilla gezogen ist. Sie ist die genaue Beobachterin, die in ihrer neuen Umgebung schonungslos auf die Familie blickt und nur Frustration, Misstrauen und eine absolute Unfähigkeit zu lieben entdeckt.  Mit  voyeuristischer Präzision blickt Haneke hinter die großbürgerliche Fassade und zeigt eine zunehmende Lieblosigkeit und  Kommunikationsunfähigkeit, wo Computer Displays und Überwachungskameras die zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen. Mit unerbitterlicher Schärfe und kühler Ästhetik  –  ein typischer Haneke!

Mein Leben ein Tanz – Matineé

mein-leben-ein-tanz-2016-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 18.02.2018, 11 Uhr
Die Flamenco-Tänzerin „La Chana“, die mit gebürtigem Namen Antonia Santiago Amador heißt, avancierte in den 60er Jahren zum Star. Früh setzte sie sich gegen den väterlichen Widerstand durch und wurde schon als Teenager als großes Talent gefeiert. Zu ihren Bewunderern zählten Salvador Dali und Peter Sellers, der sie als Tänzerin in „Bobo ist der Größte“ besetzte und sie nach Hollywood bringen wollte. Doch ihr gewalttätiger Mann gönnte ihr die Karriere nicht und sie kapitulierte. Sieben Jahre später wurde sie, mittlerweile mit einer kleinen Tochter, von ihrem Mann verlassen. Der Film zeigt exemplarisch das Schicksal einer Roma-Frau, der in der spanischen Gitano-Kultur traditionell wenig Rechte zugebilligt wurde. Doch eine zweite Ehe verlief glücklich und sie wagte 30 Jahre später ein Comeback. Immer noch begeistert sie mit ihrer Leidenschaft und Agilität, die selbst mit diabetis-geplagten Beinen gelebt wird. Dann wird eben im Sitzen getanzt – ein fulminantes begeisterndes Statement – frei nach Pina Bausch: Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!

 

Lux Krieger des Lichtes

lux-krieger-des-lichts-2017-filmplakat-rcm150x212Start Donnerstag, 01.03.2018
Torsten (Franz Rogowski) arbeitet auf einem Gemüsegroßmarkt, kümmert sich um seine todkranke Mutter und tut Gutes. Dank seiner Maskerade als „Lux, Krieger des Lichtes“ bleibt er als der große Unbekannte unerkannt, der Care-Pakete an Obdachlose verteilt und Jugendlichen ungefragt gute gemeinte Ratschläge erteilt. Wer denkt da nicht an Clark Kent als Superman? Als ein junges Filmteam auf „Lux, den Kriegers des Lichtes“ trifft, wittert es die Chance einen Dokumentarfilm über diesen Helden des Alltags zu drehen. Doch der Produzent fordert mehr reale Verbrechensbekämpfung als nur die guten Taten im Kleinen. Dadurch gerät nicht nur das Filmprojekt ins Wanken. „Lux“, der mit seinen Taten dem
Egoismus der Gegenwart zu trotzen sucht, wird zum Spielball einer profitgierigen Filmindustrie, die ihn in den sozialen Netzwerken mal als Superheld, mal als Witzfigur feiert. Dem jungen Regisseur Daniel Wild ist eine Tragikomödie über die Herausforderungen des realen Heldentums gelungen. Wieviel muss der naive Held von seiner wahren Identität preisgeben, um in der Welt der gnadenlosen Inszenierung bestehen zu können?

Untiteld – Matinée

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Der schönste Film, den ich mir vorstellen kann, ist ein Film, der nicht zur Ruhe kommt“ sagte der österreichische Filmemacher Michael Glawogger. Sein größter Wunsch war es ein Dokumentarfilm ohne Thema, ohne Ziel zu machen, um seinen vielfältigen Eindrücken einen Raum zu geben. Ende 2013 begab er sich über Serbien, Kroatien und Italien nach Afrika, wo er unerwartet in Mauretanien an Malaria verstarb. Sein umfangreiches Filmmaterial hat die Cutterin Monika Willi zu einer beeindruckenden Collage montiert, die seinen besondern Blick auf die Welt zeigt. So wechseln Episoden von verschneiten Bergdörfern, lachenden Kindern auf Müllhalden, fliegende Vogelschwärme, einbeinigen Fußballspielenr mit westafrikanischen Fischermärkten. Der Film ist eine Hommage an Michael Glawogger, der mit „wachen Sinnen und offenem Herzen durch die Welt reist“ und der uns die Welt mit all ihrem Elend, ihrer Schönheit und Brutalität vor Augen führt und uns zuraunt, das ist das Leben unendlich tragisch und wunderschön.

 

The Square

the-square-2017-filmplakat-rcm150x212Start Donnerstag, 05.04.2018
Ruben Östlund, der Regisseur (Höhere Gewalten 2014 ) und Künstler hat seine Installation „The Square“ (2015 im Design Museum Värnamo) zum Ausgangspunkt für eine opulente und witzige Kunst-Satire gemacht. Ein Quadrat (4x4m) fungierte als Schutzzone, indem jedem ohne Vorbehalte und Bedingungen Hilfe gewährleistet werden sollte. Doch wieweit ist es mit diesem gutgemeinten Anspruch her? Im Mittelpunkt des Films steht der smarte egoistische Kurator Christian, der beruflich und privat einige Herausforderungen zu meistern hat. Eine äußert fragwürdige Aktion sein gestohlenes Handy zurück zu erlangen und der One-Night–Stand mit einer feministischen Kunstkritikerin (Elisabeth Moss) bringen ihn nicht nur moralisch in die Bredouille. Richtig schlimm wird es, als die Raubtierperformance auf einer Gala aus dem Ruder gerät und der Affe (Terry Notary) die Gäste schmerzhaft brüskiert. Äußerst amüsant, kurzweilig und klug lenkt der Film den Blick auf den heutigen Kunstbetrieb, in dem mangelnde Menschlichkeit und Manipulation, Macht und Missbrauch zur Tagesordnung gehören. Dafür bekam er in Cannes die Goldene Palme.

Leaning into the wind – Matinée

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2001 erhielt der Münchner Filmemacher Thomas Riedelsheimer den Deutschen Kamerapreis für seinen Dokumentarfilm „Rivers and Tides“ über die Arbeiten des britischen Künstlers Andy Goldsworthy, der zu den wichtigsten Vertretern der Land-Art gehört. Nun dokumentiert Riedelsheimer erneut dessen außergewöhnliche Arbeiten. Goldsworthys benutzt ausschließlich Naturmaterialien wie Steine, Blüten oder Holz, die er vor Ort vorfindet, um daraus Kunstwerke zu schaffen. Dabei ist es ihm wichtig, die verborgene Schönheit des jeweiligen Ortes für eine kurze Zeit mit einer vollendenten Komposition von Form und Farbe zu zeigen. Diesen vergänglichen Kunstwerken hält er in seinen Fotografien und Kunstbüchern fest. Riedelsheimer ist es gelungen, die Arbeiten eines gereiften, und nachdenklichen Künstlers fest zu halten – ob auf Schafweiden, in einem schottischen Felsengrab, oder Schilfgeflechten in Zentralafrika,. Entstanden ist ein sprühender, farbenfroher und dennoch kontemplativer Film, der kongenial mit Soundbites von Fred Firth untermalt ist.

Sommerhäuser

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Auf dem Münchner Filmfest erhielt Sonja Marie Kröner den Förderpreis des Neuen Deutschen Kinos für ihren Debütfilm. „Sommerhäuser“ zeigt den Mikrokosmos einer Familie, deren drei Generationen sich im Ferienhaus der verstorbenen Großmutter einfinden. Im Sommer 1976 künden die Plakate vom Bundeswahlkampf Schmidt gegen Kohl und es ist unheimlich heiß. Ein Abenteuer für die drei Kinder, die sich mit Walkie-Talkies bewaffnet in den verwunschenen Nachbarsgarten mit den unheimlichen Voodoo-Puppen wagen, während es mit der familiären Toleranz der Erwachsenen nicht weit her ist, wenn es um die Frage der weiteren Zukunft des Grundstücks geht. Wie kurze heftige Gewitter entladen sich die Konflikte bevor sich der träge Müßiggang eines Jahrhundertsommers bei Erdbeerrolle und Frankfurter Kranz einstellt. Neben der atmosphärisch dicht gezeichneten Zeitkapsel zeigt der Film die wunderbar scharf beobachteten Perspektiven der Kinder- und Erwachsenenwelt. Ein Meisterwerk Dank der Schauspieler: u.a. Mavie Hörbiger, Thomas Loibl, Günther Maria Halmer und Ursula Werner. Das Drehbuch von „Sommerhäuser ist so dicht wie zart, so genau wie schwebend und driftet nie in falsche Nostalgie ab“, hieß es erst kürzlich bei der Verleihung des Bayrischen Filmpreises für das beste Drehbuch.