Leid und Herrlichkeit

Start am Donnerstag, 12.09.2019
Der Regisseur Pedro Almodovar erhielt dieses Jahr in Cannes den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. In seinem neuen Film “Leid und Herrlichkeit” erzählt er die Geschichte seines Lebens. Ein alternder und zunehmend depressiver Regisseur blickt auf sein schillerndes und exzessives Leben zurück. Es wird die Kindheit in Valencia, Erinnerungen an die liebevolle Mutter (Penelope Cruz), erstes schwules Begehren, wilde Jahre in Madrid, große Erfolge und Verluste geschildert. Großartig, wie Antonio Banderas Almodovars Alter Ego einfühlsam und detaillegetreu spielt. Dafür wurde er dieses Jahr in Cannes für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet. Der Film ist Almodovars persönlichster und eindrücklichster Film, in dem er wieder an die Intensität seiner frühen Filme anknüpft. Ein typischer Almodovar Film: intensiv, verrückt, leidenschaftlich und knallbunt mit einer neuen kontemplativ-nostalgischen Note.

Petting statt Pershing

Start am Donnerstag, 03.10.2019
Es ist Anfang der Achtziger Jahre. Die Grünen ziehen in den Bundestag ein und die 68er-Ideen erreichen die Provinz. Die siebzehnjährige pummelige Ursula lebt wohlbehütet in einem kleinen hessischen Dorf auf dem Land. Sie liebt Camus, ist neugierig und sie stellt unbequeme Fragen. Sei es, was die Vergangenheit des Großvaters im Zweiten Weltkrieg anbelangt oder was die eingeschlafen Ehe ihrer Eltern betrifft. Als der charismatische neue Lehrer Siegfried Grimm sich gegen Wettrüsten und Atomkraft engagiert und Kurse zur (weiblichen) „Selbstbefreiung“ anbietet, ist sie Feuer und Flamme und sehr verliebt. Doch bald stellt sich heraus, dass der „Weltverbesser“ eher ein Frauenheld ist. Aus Wut, Verletztheit und maßlose Enttäuschung sinnt sie nach Rache. Mit viel Situationskomik fängt der Film die bewegten Achtziger Jahre in der Provinz ein.

Synonymes

Start am Donnerstag, 07.11.2019
Kann man seine Vergangenheit und seine Heimat hinter sich lassen? Genau das versucht der junge Israeli Yao. Er will die traumatischen Erlebnisse seines Militärdienstes und der Perspektivlosigkeit seines Land entfliehen. Mit Wucht und Vehemenz sucht er, ständig französische Vokabeln deklamierend, eine neue Identität. Er strandet in Paris, wird ausgeraubt und von einem großbürgerlichen Ehepaar aufgenommen, das ihn auf seinem weiteren Weg unterstützt und begleitet. Immer wieder stößt er auf Israelis ganz unterschiedlicher Couleur, wie einem fanatischen Juden, der dem Islam den Kampf ansagt, einem Antisemitismuskämpfer oder aber jemand der Prügelorgien mit französischen Neonazis organisiert. Der Regisseur Nadav Lapid hat im Film eigene Erlebnisse verarbeitet und eine ungewöhnliche, schillernde, wilde und kraftvolle Kameraführung gefunden, die sehr eindrücklich den Versuch neu Fuß zu fassen illustriert. Der Film will irritieren und wagt viel. Dafür wurde er auf der Berlinale mit dem Hauptpreis, dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Tea with the dames

Sonntag, 24.11.2019 – Matinée
Weder ist der Film ein reiner Dokumentarfilm über ein britisches Kaffeekränzchen mit vier Damen im Alter von 85 Jahren aufwärts, noch wird wirklich Tee getrunken. Allein der Titel „Dame, Commander of the British Empire“ wurde allen vier Damen von der Queen für ihre schauspielerischen Leistungen verliehen. Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith verbinden eine langjährige Freundschaft. Seit 50 Jahren treffen sich die großen Schauspielerikonen zum Tee und tauschen ihre Erfahrungen, Erinnerungen über ihr Leben auf der Bühne und im Film (James Bond, Downton Abbey, Harry Potter) und ihre Arbeitskollegen und Ehemänner (Sir Laurence Oliver) aus. Mit viel Altersweisheit, Biss und Witz geben sie Anekdoten aus ihrem Leben preis und plaudern ungezwungen aus dem Nähkästchen. Der Regisseur Roger Michell hat ihren Charm und trockenen Humor wundervoll eingefangen. Amüsant und kurzweilig und very british.