The Party

the-party-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 5.10.17 bis Mittwoch 11.10.17 – täglich, außer Montag um 16:45 Uhr, Montag um 19:45 Uhr
Janet (Kristin Scott Thomas) ist gerade zur Familienministerin ernannt worden. Zu einer kleinen Feier im trauten Heim an der Seite ihres Ehemanns (Timothy Spall) erscheint ihre langjährige Freundin April (Patricia Clarkson) mit deutschem Gatten Gottfried (Bruno Ganz), das intellektuelle Lesbenpärchen (Cherry Jones und Emily Mortimer), und der junge befreundete Investmentbanker (Cillian Murphy). Der harmlose Umtrunk gerät jedoch nach zwei explosiven Enthüllungen aus den Fugen und plötzlich werden Janets politische Überzeugungen und Lebensentwürfe grundlegend in Frage gestellt. Sally Potter schafft es mit müheloser Eleganz und perfektem Timing die kleine Geheimnisse und große Lebenslügen einer Mittelschicht in einem schnellen Schlagabtausch zu inszenieren. Nichts weniger als intellektuelle Moralvorstellungen, immerwährende Genderdebatten und die vermeintlichen Bekenntnisse zu einer offenen Gesellschaft stehen zur Debatte. Nicht zuletzt fliegen den Gästen die ewig aktuelle Frauen- und Genderdebatten immer schneller um die Ohren.

Eine vergnügliche bitterböse Burleske über die feine Akademiker-Gesellschaft.

 

Ein deutsches Leben – Matinée


ein-deutsches-leben-2016-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 22.10.2017, 11 Uhr
„Nein. Ich würde mich nicht als schuldig betrachten“ sagt die 103 Jahre alte, wache Brunhilde Pomsel die 1942 die Sekretärin von Joseph Goebbels wurde. In einem Interview berichtet sie über ihre Tätigkeit im Propagandaministerium, über ihr umfangreiches Wissen und sinniert über die Frage von Schuld und Verantwortung. Das Interview wird von Archivbildern und Ausschnitten aus Propagandafilmen und Wochenschauen untermauert. Pomsel, die 2017 verstarb, gab jedoch unumwunden zu, dass sie sich nicht traute Widerstand zu leisten und einiges falsch gemacht habe in ihrem Leben. Der Dokumentarfilm über eine der letzten noch lebenden Zeitzeugen gibt tiefe Einblicke aus dem engsten Kreis des Machtzentrums in die Mechanismen der NS Diktatur. „Ein deutsches Leben“ legt ohne Pathos die Prinzipien von Verdrängung, Opportunismus und verdrängter Verantwortung offen.


Innen Leben

innen-leben-2017-filmplakat-rcm150x212Start 02.11.2017
Der belgischen Regisseurs Philippe Van Leeuw erzählt in seinem Film „Innen Leben“ vom Bürgerkrieg aus der Sicht der nichtkämpfenden Bevölkerung in Syrien. Die Familie Yazam hat sich mit Freunden in ihre Wohnung zurückgezogen. Hier versuchen sie eine größtmögliche Normalität zu leben. Die alltägliche Hausarbeit gibt Halt und vermittelt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Doch Explosionen, Hubschraubergeräusche und Gewehrsalven machen unwiederbringlich deutlich, dass dem nicht so ist. Eine beklemmende Anspannung und das Gefühl des Ausgeliefertseins ist allgegenwärtig und spitzt sich zu als Fremde in die Wohnung eindringen. Van Leeuwen ist es gelungen das Leben der Zivilbevölkerungen zu zeigen, dass in vielen Kriegsgebieten bittere Realität ist. Ein berührendes intensives und hochaktuelles Drama, das auf der Berlinale den Publikumspreis gewann.

Born to be blue – Matinée

born-to-be-blue-2015-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 19.11.2017, 11 Uhr
Der weiße Trompeter und Sänger Chet Baker war der „King of the Cool“, der Inbegriff des weißen Hipsters von der Westküste. Nach seinem sensationellen Auftritt 1954 im legendären New Yorker Jazzclub Birdland riet ihm Miles Davis jedoch erst noch ein wenig zu leben, damit seine Musik wirkliche Tiefe erreiche. Doch der Musiker verfällt den Drogen und sein Leben gleicht einer Achterbahn, geprägt von Gefängnisaufenthalten, Ausweisungen, Comebacks, Ruhm und zahllosen Affären. Mit „Born to be blue“ gelingt dem kanadischen Regisseur Robert Buderau ein geniales Zusammenspiel aus authentischen und erdachten Fakten, das den melancholischen eleganten- lyrischen Jazz von Chet Baker in stilsicheren Bildern grandios einfängt. Ethan Hawke verkörpert genial den verletzlichen sensiblen Charakter des Cowboys aus der Provinz, den es in die Nachtclubs der Musikmetropolen verschlug.

Helle Nächte

helle-nchte-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 30.11.2017
Auf der Berlinale wurde der Hauptdarsteller Georg Friedrich für den Besten Hauptdarsteller ausgezeichnet. Er spielt den Bauingenieur Michael der sich anlässlich des Todes seines Vater mit seinem Sohn Luis (Tristan Gölbel) nach Norwegen aufmacht. Dort hat der Vater seine letzten Jahre verbracht. Die Reise die sie weg von der Berliner Großstadt in die eindrucksvollen Weiten Norwegens führt, sollen Vater und Sohn einander wieder näher bringen, denn Luis lebt seit der Trennung der Eltern bei der Mutter. Doch beide stehen sich immer wieder selber im Weg. Michael bevormundet seinen Sohn und bringt ihm kein wirkliches Interesse entgegen. Luis reagiert verletzt und wehrt sich mit pubertierendem Trotz gegen jegliche Annäherungen Der deutsch -iranische Regisseur Thomas Areslan fängt die teils tragischen, teils komischen Annäherungsversuche mit seiner genauen und langsamen Betrachtungsweise sehr differenziert ein und erweist sich auch in der reduzierten und klaren Ästhetik zum wiederholten Male als ein wahrer Vertreter der Berliner Filmschule.

 

Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt – Matinée

weit-die-geschichte-von-einem-weg-um-die-welt-2017-150-rcm150x212Sonntag, 10.12.2017, 11 Uhr
Im Frühling 2013 zogen Patrick und Gwen mit dem Rucksack von Freiburg aus zu einer Weltreise los. Per Anhalter fuhren sie nach Tadschikistan, Georgien, Iran, Pakistan, China und in die Mongolei, bis sie dann von Japan aus den Pazifik mit einem Frachter überquerten. Als ihr Sohn Bruno in Mexiko geboren wurde, kaufen sie einen VW Bus und erkunden so Südamerika bis sie in Costa Rica wiederum mit dem Schiff in Richtung Spanien verlassen. Von dort kehren sie nach einem 1200 kilometerlangen Marsch im Frühjahr nach Freiburg zurück. In dreieinhalb Jahren haben sie ohne zu fliegen 97.000 Kilometer zurückgelegt und mit viel Neugierde und Spontanität sehr intensive Kontakte gepflegt und Eindrücke in die unterschiedlichsten Lebensweisen gehabt. Durch die authentische und sehr nahe Kameraführung von Patrik, der gelernter Kameramann ist, ist ein ungewöhnlich intensiver Film entstanden, der dem Zuschauer Lust auf Reisen und „Weltentdecken“ macht.

Körper und Seele

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Dieses Jahr wurde die ungewöhnliche Romanze “Körper und Seele“ einhellig für den Goldenen Bären nominiert. Endre ist Finanzchef in einem ungarischen Schlachthof und lebt aus Angst vor Zurückweisung nach einer gescheiterten Ehe alleine. Doch als die zarte und introvertierte Maria dort als Qualitätsprüferin ihren neuen Job beginnt, ist sein Interesse geweckt. Da sie unter dem Asperger Syndrom leidet, fällt ihr der Kontakt zu ihrem Mitmenschen schwer. Als jedoch ein libido-steigerndes Tierpräparat verschwindet, wird die Belegschaft einem Test unterzogen. Dabei stellt sich heraus, dass sowohl Endre als auch Maria nachts von einem Hirschpaar träumen. Der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyed gelingt es auf unvergleichlicher Weise, zwei zeitlos in der idyllischen Natur umherstreifenden Hirschen, mit den schockierenden realen Bildern eines Schlachthofes zu kontrastieren. Mit viel schwarzem Humor ist ihr die Annäherung der beiden ganz unterschiedlichen Charaktere auf eine unsentimentale einfühlsame Art und Weise gelungen: Anrührend und komisch.

Beuys. Dokumentarfilm – Matineé

beuys-2017-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 21.01.2018, 11 Uhr
Joseph Beuys, wurde 1944 als Bordfunker über der Krim abgeschossen und machte seine prägenden Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg zum Ausgangspunkt seiner wichtigsten Kunstwerke. Er ist einer der bedeutenden deutschen Künstler, die das Kunstgeschehen des 20 Jahrhunderts prägten. Mit seinen zahlreichen Aktionen und kunsttheoretischen Auseinandersetzungen auch als Professor an der Düsseldorfer Akademie sowie sein frühzeitige Engagement als Grüner hat er ein umfangreiches Material hinterlassen. Dem Regisseur Andres Veiel ist es nach dreijähriger Arbeit gelungen in einer ungewöhnlichen Montage aus den Gesprächen von wichtigen Zeitzeugen und Aktionen, eine vielschichtige und unterhaltsame Annäherung an die Persönlichkeit Beuys, zu schaffen. Die kluge und bewusst reduzierte Auswahl der Einzelszenen zeigen, dass Beuys nicht nur der Erneuerer eines neuen Kunstbegriffes war, sondern vor allem ein politischer Mensch, ein Visionär, der in Vielem seiner Zeit voraus war.


Happy End

happy-end-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 01.02.2018
In seinem neuesten Film „Happy End“  zeigt Michael Haneke eine Familie, die keineswegs glücklich ist. Jean-Louis Trintignant spielt den lebensmüden alten Patriarchen, der seine Baufirma schon an seine Kinder weitergegeben hat. Seine  berechnende resolute Tochter Anne (Isabelle Huppert) leitet  zusammen mit ihrem labilen und wenig ambitionierten Sohn Pierre das  Familienunternehmen. Ihr Bruder Thomas erweckt den Eindruck eines gut situierten Arztes. Doch seine erste depressive Frau beginn Selbstmord, so dass die gemeinsame  zwölfjährige Tochter Eve gerade in die Familienvilla gezogen ist.  Sie ist die genaue Beobachterin, die in ihrer neuen Umgebung schonungslos auf die Familie blickt und nur Frustration, Misstrauen und die absolute Unfähigkeit zu lieben entdeckt.  Mit  voyeuristischer Präzision blickt Haneke hinter die großbürgerliche Fassade und zeigt eine zunehmende Liebelosigkeit und  Kommunikationsunfähigkeit, wo Computer Displays und Überwachungskameras die zwischenmenschlichen Beziehungen ersetzen. Mit unerbitterlicher Schärfe und kühler Ästhetik  –  ein typischer Haneke!

Mein Leben ein Tanz – Matineé

mein-leben-ein-tanz-2016-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 18.02.2018, 11 Uhr
„La Chana, die mit gebürtigem Namen Antonia Santiago Amador heißt, avancierte in den 60er Jahren zum Flamenco Star. Früh setzt sie sich gegen den väterlichen Widerstand durch und wird schon als Teenager als großes Talent gefeiert. Zu ihren Bewunderern zählen Salvador Dali und Peter Sellers, der sie als Tänzerin in „Bobo ist der Größte“ besetzt und sie nach Hollywood bringen möchte. Doch ihr gewalttätiger Mann gönnt ihr die Karriere nicht und sie gibt auf. Sieben Jahre später wird sie, mittellos mit Tochter, von ihrem Mann verlassen. Exemplarisch zeigt sich das Schicksal einer Roma-Frau, der in der spanischen Gitano-Kultur traditionell wenig Rechte zugebilligt werden. Doch eine zweite Ehe verläuft glücklich und sie wagt 30 Jahre später ein Comeback. Immer noch begeistert sie mit ihrer Leidenschaft und Agilität, die selbst vor den diabetes-geplagten Beinen keinen Halt macht. Dann wird eben im Sitzen getanzt. Ein fulminantes begeisterndes Statement frei nach Pina Bausch:
Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!