The Square

the-square-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 05.04.2018 bis Mittwoch, 11.04.18; täglich um 19:30 Uhr
Ruben Östlund, der Regisseur (Höhere Gewalten 2014 ) und Künstler hat seine Installation „The Square“ (2015 im Design Museum Värnamo) zum Ausgangspunkt für eine opulente und witzige Kunst-Satire gemacht. Ein Quadrat (4x4m) fungierte als Schutzzone, indem jedem ohne Vorbehalte und Bedingungen Hilfe gewährleistet werden sollte. Doch wieweit ist es mit diesem gutgemeinten Anspruch her? Im Mittelpunkt des Films steht der smarte egoistische Kurator Christian, der beruflich und privat einige Herausforderungen zu meistern hat. Eine äußert fragwürdige Aktion sein gestohlenes Handy zurück zu erlangen und der One-Night–Stand mit einer feministischen Kunstkritikerin (Elisabeth Moss) bringen ihn nicht nur moralisch in die Bredouille. Richtig schlimm wird es, als die Raubtierperformance auf einer Gala aus dem Ruder gerät und der Affe (Terry Notary) die Gäste schmerzhaft brüskiert. Äußerst amüsant, kurzweilig und klug lenkt der Film den Blick auf den heutigen Kunstbetrieb, in dem mangelnde Menschlichkeit und Manipulation, Macht und Missbrauch zur Tagesordnung gehören. Dafür bekam er in Cannes die Goldene Palme.

Leaning into the wind – Matinée

leaning-into-the-wind-andy-goldsworthy-2017-filmpl-333-rcm150x212Sonntag, 22.04.2018, 11 Uhr
2001 erhielt der Münchner Filmemacher Thomas Riedelsheimer den Deutschen Kamerapreis für seinen Dokumentarfilm „Rivers and Tides“ über die Arbeiten des britischen Künstlers Andy Goldsworthy, der zu den wichtigsten Vertretern der Land-Art gehört. Nun dokumentiert Riedelsheimer erneut dessen außergewöhnliche Arbeiten. Goldsworthys benutzt ausschließlich Naturmaterialien wie Steine, Blüten oder Holz, die er vor Ort vorfindet, um daraus Kunstwerke zu schaffen. Dabei ist es ihm wichtig, die verborgene Schönheit des jeweiligen Ortes für eine kurze Zeit mit einer vollendenten Komposition von Form und Farbe zu zeigen. Diesen vergänglichen Kunstwerken hält er in seinen Fotografien und Kunstbüchern fest. Riedelsheimer ist es gelungen, die Arbeiten eines gereiften, und nachdenklichen Künstlers fest zu halten – ob auf Schafweiden, in einem schottischen Felsengrab, oder Schilfgeflechten in Zentralafrika,. Entstanden ist ein sprühender, farbenfroher und dennoch kontemplativer Film, der kongenial mit Soundbites von Fred Firth untermalt ist.

Sommerhäuser

sommerhuser-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 03.05.18 bis Mittwoch,09.05.18 – täglich um 19:45 Uhr
Auf dem Münchner Filmfest erhielt Sonja Marie Kröner den Förderpreis des Neuen Deutschen Kinos für ihren Debütfilm. „Sommerhäuser“ zeigt den Mikrokosmos einer Familie, deren drei Generationen sich im Ferienhaus der verstorbenen Großmutter einfinden. Im Sommer 1976 künden die Plakate vom Bundeswahlkampf Schmidt gegen Kohl und es ist unheimlich heiß. Ein Abenteuer für die drei Kinder, die sich mit Walkie-Talkies bewaffnet in den verwunschenen Nachbarsgarten mit den unheimlichen Voodoo-Puppen wagen, während es mit der familiären Toleranz der Erwachsenen nicht weit her ist, wenn es um die Frage der weiteren Zukunft des Grundstücks geht. Wie kurze heftige Gewitter entladen sich die Konflikte bevor sich der träge Müßiggang eines Jahrhundertsommers bei Erdbeerrolle und Frankfurter Kranz einstellt. Neben der atmosphärisch dicht gezeichneten Zeitkapsel zeigt der Film die wunderbar scharf beobachteten Perspektiven der Kinder- und Erwachsenenwelt. Ein Meisterwerk Dank der Schauspieler: u.a. Mavie Hörbiger, Thomas Loibl, Günther Maria Halmer und Ursula Werner. Das Drehbuch von „Sommerhäuser ist so dicht wie zart, so genau wie schwebend und driftet nie in falsche Nostalgie ab“, hieß es erst kürzlich bei der Verleihung des Bayrischen Filmpreises für das beste Drehbuch.

Transit

transit-2018-filmplakat-rcm150x212Donnerstag 07.06.2018 bis Mittwoch 13.06.18; täglich um 19:45 Uhr; Samstag und Sonntag zusätzlich um 16:45 Uhr
In den 40er Jahren hält sich der junge Deutsche Georg (Franz Rogowski) in Paris auf, als er den Auftrag bekommt einem Schriftsteller Briefe nach Marseille zu überbringen. Dort trifft er auf viele Emigranten, die verzweifelt auf ihr Visa und die erhoffte Schiffpassage nach Amerika warten. Als sich herausstellt, dass der Schriftsteller Selbstmord begangen hat, plant Georg mit dessen Identität die Flucht nach Mexiko. Doch da trifft er auf die geheimnisvolle Marie (Paula Beer), in die er sich verliebt und die selbst auf der Suche nach ihrem Mann einem Schriftsteller ist…. Christan Petzold hat in der Adaption von Anna Seghers Buch das Thema Flucht aktualisiert, indem er die Handlung ohne historische Kulisse in die heutige Zeit verlegt. Eine Stimme aus dem Off (Matthias Brandt) kommentiert die Handlung. Damit wird die existentielle Erfahrung von Transit, den Ängsten, Schuldgefühlen, Hoffnungen, Verrat der Personen im Schwebezustand des Gehens und Ankommens Rechnung getragen – gleich in welcher Epoche diese Erfahrung gemacht wird.

Isle of Dogs: Ataris Reise

Start 05.07.2018
Mit seinem neuen Animationsfilm ist Wes Anderson (Hotel Budapest, Der wunderbare Mr. Fox) wieder eine eindrucksvolle Tierparabel gelungen. Der Film spielt in einer fiktiven Megacity in Japan. Dort hat der mächtige Katzen liebende Bürgermeister alle Hunde auf eine Müllinsel vor der Küste verbannt , um einer angeblichen Hundeseuche vorzubeugen. Unter den Hunden befindet sich auch der Lieblingshund seines Sohnes Atari. Der nimmt daraufhin Reißaus und begibt sich auf die „Isle of dogs“. Dort trift er ein Rudel Hunde trifft, die ihm auf seiner abenteuerlichen Suche helfen. Langsam offenbart sich unter der ästhetischen und unterhaltsamen Erzählung eine bitterböse Parabel. Ausgrenzung, Populismus, Korruption und Diktatur sind Themen, die Wes Anderson streift. Dennoch ist der Film amüsant dank der pfiffigen Dialoge der Hunde und deren starker Charaktere.


 

Drei Tage in Quiberon

3-tage-in-quiberon-2018-filmplakat-rcm150x212Start 02.08.2018
1981 gab Romy Schneider auf dem Höhepunkt ihrer Karriere dem Stern-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und dem Fotografen Robert Lebeck (Charly Huber) eines ihrer seltenen deutschen Interviews. Romy Schneider hatte sich an den bretonischen Küstenort Quiberon zurückgezogen, um von ihrem exzessiven Alkohol- und Tablettenkonsum los zu kommen. Als ihre Kindheitsfreundin Hilde Fritsch (Birgit Minichmayr) für ein paar Tage anreiste, wusste diese noch nichts von dem bevorstehenden Interview. Die Regisseurin Emily Atef (Das Fremde in mir) gewährt mit ihrem fast kammerspielartigen Schwarz-Weiß- Film eine kurze Momentaufnahme der Gedanken- und Gefühlswelt Romy Schneiders, bevor diese ein Jahr später starb. Der Film war auf der Berlinale für den deutschen Filmpreis nominiert und hätte ihn allein für die schauspielerischen Fähigkeiten von Marie Bäumler verdient, die kongenial das Ungekünstelte, Verletzliche und Verführerische von Romy Schneider verkörpert.