Certain Women

certain-women-2016-filmplakat-rcm150x212Donnerstag 03.08.2017 bis Mittwoch 09.8.17 täglich um 19:45 Uhr
Der neueste Film der Regisseurin Kelly Reichardt ist nicht nur eine poetische Liebeserklärung an die amerikanische Landschaft. Ihrem Film liegen 3 Episoden aus der Kurzgeschichtensammlung  von Maile Meloys zugrunde. Es sind die Geschichten von drei ganz unterschiedlichen Frauen die lose miteinander verbunden sind und alle in Montana spielen. Da ist die souveräne Anwältin (Laura Dern), die sich in einem Geiseldrama, das von einem ihrer Klienten verursacht ist, durch Abgeklärtheit und Mitgefühl dazu verleiten lässt sich als Austauschgeisel zur Verfügung zu stellen.  Da ist die taffe Managerin (Michelle Williams), die ihren Nachbarn zu überreden versucht ihr doch die originalen Sandziegel für das eigene „authentisches“ Hausprojekt zu überlassen, obgleich die Familie am Zerbrechen ist. Und schließlich ist da eine junge unsichere Jurastudentin (Kristen Stewart), die einen Lehrerkurs gibt und in die sich die junge Pferdepflegerin (Lily Gladstone) verliebt.  Grandios lässt Kelly Reichardt in kleinen Details die alltäglichen  ambivalenten Gefühle und faulen Kompromisse des Alltags durchscheinen. Nicht ohne einen trocken Humor schildert sie unausgesprochene Emotionen,  verschwundene  Hoffnungen und zukünftige Träume. Präzise und undramatisch und einfach erhellend.

Meine glückliche Familie

meine-glckliche-familie-2017-filmplakat-rcm150x212Start 14.09.2017
Die 52 jährige Manana ist Lehrerin für georgische Literatur, als sie ihrer Familie eröffnet, dass sie nicht mehr mit ihren Eltern Lamara und Otar, ihrem Mann Soso, ihrer Tochter Nino und deren Mann sowie ihrem Sohn Lasha in der Dreizimmerwohnung in Tiflis zusammen wohnen möchte. Ihre Entscheidung stößt auf Unverständnis, die Familie ist entsetzt und fassungslos. Doch Manana erfüllt sich ihren Traum nach Ruhe und Privatsphäre. Sie entflieht den Familienstrukturen der mütterlichen Aufopferung, dem patriarchalen Ehemann der alltäglichen Routine, die dazu führt, dass sie selbst untergeht oder übersehen wird. Eine – auch amüsante Emanzipationsgeschichte, die zeigt wie Dinge sich ändern, wenn mit Mut und Beharrlichkeit ein Neuanfang gewagt wird.

The Party

the-party-2017-filmplakat-rcm150x212Start 05.10.2017
Janet (Kristin Scott Thomas) ist gerade zur Familienministerin ernannt worden. Zu einer kleinen Feier im trauten Heim an der Seite ihres Ehemanns (Timothy Spall) erscheint ihre langjährige Freundin April (Patricia Clarkson) mit deutschem Gatten Gottfried (Bruno Ganz), das intellektuelle Lesbenpärchen (Cherry Jones und Emily Mortimer), und der junge befreundete Investmentbanker (Cillian Murphy). Der harmlose Umtrunk gerät jedoch nach zwei explosiven Enthüllungen aus den Fugen und plötzlich werden Janets politische Überzeugungen und Lebensentwürfe grundlegend in Frage gestellt. Sally Potter schafft es mit müheloser Eleganz und perfektem Timing die kleine Geheimnisse und große Lebenslügen einer Mittelschicht in einem schnellen Schlagabtausch zu inszenieren. Nichts weniger als intellektuelle Moralvorstellungen, immerwährende Genderdebatten und die vermeintlichen Bekenntnisse zu einer offenen Gesellschaft stehen zur Debatte. Nicht zuletzt fliegen den Gästen die ewig aktuelle Frauen- und Genderdebatten immer schneller um die Ohren.

Eine vergnügliche bitterböse Burleske über die feine Akademiker-Gesellschaft.

 

Ein deutsches Leben – Matinée


ein-deutsches-leben-2016-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 22.10.2017, 11 Uhr
„Nein. Ich würde mich nicht als schuldig betrachten“ sagt die 103 Jahre alte, wache Brunhilde Pomsel die 1942 die Sekretärin von Joseph Goebbels wurde. In einem Interview berichtet sie über ihre Tätigkeit im Propagandaministerium, über ihr umfangreiches Wissen und sinniert über die Frage von Schuld und Verantwortung. Das Interview wird von Archivbildern und Ausschnitten aus Propagandafilmen und Wochenschauen untermauert. Pomsel, die 2017 verstarb, gab jedoch unumwunden zu, dass sie sich nicht traute Widerstand zu leisten und einiges falsch gemacht habe in ihrem Leben. Der Dokumentarfilm über eine der letzten noch lebenden Zeitzeugen gibt tiefe Einblicke aus dem engsten Kreis des Machtzentrums in die Mechanismen der NS Diktatur. „Ein deutsches Leben“ legt ohne Pathos die Prinzipien von Verdrängung, Opportunismus und verdrängter Verantwortung offen.


Innen Leben

innen-leben-2017-filmplakat-rcm150x212Start 02.11.2017
Der belgischen Regisseurs Philippe Van Leeuw erzählt in seinem Film „Innen Leben“ vom Bürgerkrieg aus der Sicht der nichtkämpfenden Bevölkerung in Syrien. Die Familie Yazam hat sich mit Freunden in ihre Wohnung zurückgezogen. Hier versuchen sie eine größtmögliche Normalität zu leben. Die alltägliche Hausarbeit gibt Halt und vermittelt ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Doch Explosionen, Hubschraubergeräusche und Gewehrsalven machen unwiederbringlich deutlich, dass dem nicht so ist. Eine beklemmende Anspannung und das Gefühl des Ausgeliefertseins ist allgegenwärtig und spitzt sich zu als Fremde in die Wohnung eindringen. Van Leeuwen ist es gelungen das Leben der Zivilbevölkerungen zu zeigen, dass in vielen Kriegsgebieten bittere Realität ist. Ein berührendes intensives und hochaktuelles Drama, das auf der Berlinale den Publikumspreis gewann.

Born to be blue – Matinée

born-to-be-blue-2015-filmplakat-rcm150x212Sonntag, 19.11.2017, 11 Uhr
Der weiße Trompeter und Sänger Chet Baker war der „King of the Cool“, der Inbegriff des weißen Hipsters von der Westküste. Nach seinem sensationellen Auftritt 1954 im legendären New Yorker Jazzclub Birdland riet ihm Miles Davis jedoch erst noch ein wenig zu leben, damit seine Musik wirkliche Tiefe erreiche. Doch der Musiker verfällt den Drogen und sein Leben gleicht einer Achterbahn, geprägt von Gefängnisaufenthalten, Ausweisungen, Comebacks, Ruhm und zahllosen Affären. Mit „Born to be blue“ gelingt dem kanadischen Regisseur Robert Buderau ein geniales Zusammenspiel aus authentischen und erdachten Fakten, das den melancholischen eleganten- lyrischen Jazz von Chet Baker in stilsicheren Bildern grandios einfängt. Ethan Hawke verkörpert genial den verletzlichen sensiblen Charakter des Cowboys aus der Provinz, den es in die Nachtclubs der Musikmetropolen verschlug.