Familie Brasch

Sonntag, 11.11.2018, Matinée
Die Regisseurin Annekatrin Hendel schildert in ihrer Dokumentation eine der schillerndsten Funktionärsfamilien der DDR. Im Exil in London lernt der jüdisch- katholische Horst Brasch seine Frau Gerda kennen. Mit ihr zieht der glühende Kommunist nach Ost-Berlin um seinen Traum vom real existierenden Sozialismus zu verwirklichen. Seine drei Söhne sehen dies kritisch und der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt, als Horst Brasch mittlerweile hoher Kulturfunktionär seinen ältesten Sohn 68 inhaftieren lässt. Sein Jugendfreund der Schriftsteller Christof Hein, die Liedermacherin Bettina Wegner, Katharina Thalbach und seine Schwester die Radiomoderatorin und Autorin Marion Brasch kommen im Film zu Wort und machen den Film zu einem der spannendsten Zeitdokumente.

 

 

Die Erbinnen

Donnerstag, 06.12.2018 bis Mittwoch12.12.18 täglich um 20:00 Uhr

Die beiden über 50 jährigen Frauen Chela (Ana Brun) und Chiquita (Margarita Irún) haben sich ihr Leben zusammen gut eingerichtet. Chela ist Malerin und die Introvertierte der beiden, während Chiquita lebenspraktisch alles Alltägliche regelt und wertvolle Möbel und Erbstücke für den Lebensunterhalt veräußert. Dies bringt sie ins Gefängnis und Chela muss ihren Kokon verlassen. Als sie einer Nachbarin aus gutem Hause aus der Bredouille hilft, wird sie fortan als ihre Chauffeurin engagiert. Damit erweitert sich ihr Radius und verhilft ihr ungewollt zu mehr Selbstständigkeit und Freiheit. Und sie verliebt sich zaghaft in die jüngere Angy. Die eingeschränkte Kameraführung, die den Blick auf das gesamte Geschehen oft verweigert, macht die zurückhaltende und vorsichtige Entdeckungsreise von Chela erfahrbar. Ana Brun bekam dafür den silbernen Bären für die beste Darstellerin. Auch wenn der Regisseur Marcello Martinessi in seinem Film sich vorwiegend die Kreise der Oberschicht zeigt auf ihrer Identitätssuche nach den jahrelangen Unruhen, so bieten die Ausflüge ins Frauengefängnis eine andere Lebensentwürfe in Paraguay. Ein toller ungewöhnlicher Film.

Kongo Tribunal

Sonntag, 16.12.2019, Matinée
Der Kongo ist seit 20 Jahren Kriegsschauplatz, an dem internationale Großmächte durch Rüstungsexporte, humanitäre Hilfe und diplomatischen Einfluss indirekt oder direkt beteiligt sind. Der Schweizer Aktivist und Regisseur Milo Rau startete 2015 ein Projekt, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Experten, Journalisten und Juristen fanden sich zu einem symbolischen Tribunal im Mai im Ostkongo und im Juni in Berlin zusammen und untersuchten anhand der Bergbauindustrie den Konflikt im Kongo. Sowohl betroffene Bauern und Minenarbeiter als auch Konzernfunktionäre und Politiker kommen im Film zu Wort. Dabei wird deutlich, dass es nicht allein um die die politische Vorherrschaft in Afrika geht, sondern sich hier ein zentraler Konflikt der Globalisierung abspielt, da es um seltene Rohstoffe geht. „Das Kongo Tribunal“ beleuchtet die Hintergründe und Zusammenhänge des Konflikts, und zeigt, dass im Kongo eine neokoloniale Weltordnung am Werk ist.

Shoplifters

Donnerstag, 10.01.2019

Nach einer gemeinsamen Diebestour nehmen Vater und Sohn, ein hungerndes und ausgesperrtes Mädchen spontan zum Abendessen mit. Das Mädchen Yuri fühlt sich wohl in der Gesellschaft dieser japanischen Familie mit Großmutter und Stiefschwester. Sie will nicht zu ihrer leiblichen Familie zurück, zumal körperliche Male darauf hin deuten, dass sie misshandelt wurde. Langsam und behutsam zeigt der Film wie sich Yuri ihrer neuen Familie annähert. Langsam entdeckt sie, dass die Familie Shibata keine Familie im klassischen Sinne ist, denn es gibt keine verwandtschaftlichen Verhältnisse. Nur ihr gegenseitiges Vertrauen und ihre Solidarität lassen sie am Rande der Gesellschaft in beengten und sehr armen Verhältnissen dennoch ein gutes Leben führen. Hier bei den Betrügern und Dieben geht es Yuri besser als bei ihren leiblichen Eltern. Hirokazu Koreedas Film ist großes Kino, ein zu Herzen gehendes Portrait einer Lebensgemeinschaft in einer inhumanen Gesellschaft. In Cannes wurde der Film mit der Goldenen Palme belohnt.

Nanouk

Sonntag, 20.01.2019, Matinée
Nanouk und Sedna leben in der Eiswüste Jakutien in der Arktis. Früher gab es noch eine Gemeinschaft, die wie sie in Jurten lebten mit Schlittenhunden und Rentieren, zu Maultrommeln sangen und die Mythen der Götter im ewigen Eis erzählten. Doch nun schmilzt das Eis und die Tiere gibt es nicht mehr. Das Jagen und Fischen ist mühsam geworden und Nanouk ist in der unendlichen Weite beim Jagen auf sich allein gestellt. Seine Frau Sedan ist die letzte Shamanin, die jedoch mit dem Wissen ihrer Vorfahren nichts gegen ihre Krankheit ausrichten kann. Die einzige Verbindung zur Zivilisation ist der Kinderfreund ihrer Tochter Chena. Er verrät auch, wo sie sich befindet, die sich gegen ein traditionelles Leben in der Weite der Natur entschieden hat. Und Nanouk macht sich auf den Weg zu seiner Tochter. Der Film besticht durch seine ruhigen Bilder und besinnliche Stille. Die weiten weißen Landschaften offenbaren sowohl die Freiheit als auch die Gefahr und die menschenverachtende Naturgewalt. Und dennoch ist nichts ewig.

Drei Gesichter

Donnerstag, 07.02.2019
Trotz seines Berufsverbotes seit 2010 dreht der iranischen Regisseurs Jafar Panahi (Taxi Teheran) immer wieder Filme. In seinem neuesten Film wendet sich die junge Marziyeh mit einem Handyvideo an ihn und die berühmte iranische Schauspielerin Behnaz Jafari mit der Bitte um Hilfe. Denn obgleich Marziyeh eine Zusage an der Schauspielschule bekommen hat, ist ihre Familie strikt gegen ihre Berufswahl. So begeben sich die Panahi und Jafari in den Norden Teherans auf die Suche nach ihr. Immer wieder erfährt man durch kleine Randgeschichten von Behnaz Jafari, wie wenig geschätzt und geachtet der Beruf der Schauspielerin im Iran ist. In einem Dorf begegnen sie einer weiteren Schauspielerin Sharzad. Sie war vor der Revolution die Filmberühmtheit schlechthin bis sie in den 70er Jahren mit einem Berufsverbot belegt wurde. Diesen „Drei Gesichter“ unterschiedlicher Generationen von Schauspielerinnen ist der Film gewidmet. Ganz nebenbei übt Panahi auch hier charmant verpackt seine Gesellschaftskritik.

Waldheims Walzer

Sonntag, 17.02.2019, Matinée
1986 bewirbt sich Kurt Waldheim für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten mit dem Motto „ Der Mann, dem die Welt vertraut“. Doch das Vertrauen in den Mann der Außenminister (1968 bis 1970) und Generalsekretär der Vereinten Nationen (1972 bis 1981) war, schwindet im Wahlkampf zusehends als auf Initiative des Jüdischen Weltkongresses seine SA Mitgliedschaft (1938) und aktive Beteiligung an Kriegsverbrechen öffentlich wird. Doch Waldheim und die ÖVP streiten alle Vorwürfe ab, was zu heftigen innenpolitischen Auseinandersetzungen führt. Die engagierte Dokumentarfilmerin Ruth Beckmann hat über einen längeren Weg anhand von historischen Aufnahmen, Interviews und Mitschnitten aus dem Fernsehen seinen Weg mit allen fehlenden Erinnerungen beleuchtet. Deutlich wird, dass Österreich sich bis jetzt nicht seiner historischen und politischen Vergangenheit gestellt hat. Ein mutiger und aktueller Film, der sich „allein der Vergangenheit widmet und doch von der Gegenwart handelt.“ Thomas Asssheuer