Die andere Seite der Hoffnung

die-andere-seite-der-hoffnung-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag 06.07.2017 bis Mittwoch 12.07.17 täglich um 19:45 Uhr
Gleich zu Anfang kreuzen sich die Wege von Kahled und Wikström das erste Mal. Der Syrer Kahled (Sherwan Haji)  ist als blinder Passagier auf einem Schiff  endlich in Helsinki gelandet. Er beantragt mustergültig bei der Polizei Asyl und hofft nicht unbedingt auf ein luxuriöses Leben jedoch auf ein Leben in Frieden. Wikström (Sakari Kuosmanen) dagegen ist um die 50 und beschließt sein Leben  grundlegend zu ändern. Er verlässt seine Frau und quittiert seinen Job als Oberhemdenverkäufer. Stattdessen kauft er ein Restaurant und versucht u.a. auch mit Hilfe von Kahled daraus ein erfolgreiches Unternehmen zu machen. Nichts wird verschwiegen weder die Hürden der finnischen Bürokratie noch ihre politischen Fehleinschätzungen noch die Neonazis, die Jagd auf Ausländer machen, noch die Tristess einer überlebten Ehe  und dennoch ist „ Die andere Seite der Hoffnung „ ein Märchen. Mit den für Kaurismäki typisch statischen Bildern, dem lakonischen Humor und den schweigsamen Außenseitern werden die Widrigkeiten des Alltags zur surrealen Parodie. Ein erstaunlich beschwingter Film mit meisterhaft komponierten Miniaturszenen voller Melancholie und  eben ein wahrer Kaurismäki

Der Himmel wird warten

der-himmel-wird-warten-2016-filmplakat-rcm150x212Donnerstag 01.06. bis Sonntag 03.06. um 17:00 Uhr; Montag 04.06.bis Mittwoch 06.06. 20:00 Uhr
Die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar erzählt in ihrem sehr gut recherchierten Film die fiktiven Geschichten zweier Mädchen, die auf Facebook und Skype von Islamisten umgarnt werden und sich dem radikalen Islam anschließen. Die Rahmenhandlung des Films bilden die Gruppensitzungen der Eltern bei der Deradikalisierungs-Expertin Dounia Bouzar, die sich im Film  selbst spielt. In Rückblenden wird  die Radikalisierung der beiden ganz unterschiedlichen Mädchen geschildert. Mélanie (Naomi Amarger)und ihre Mutter Sylvie (Clotilde Courau) haben ein enges Verhältnis zu einander, bis die Großmutter verstirbt und Melanie im Internet einen Jungen kennen lernt. Er ist verständnisvoll, findet tröstende Worte und sinniert mit ihr über den Sinn des Lebens, bis sie konvertiert und nach Syrien geht, um sich als Terroristin ausbilden zu lassen. Auch die 17 jährige Sonia (Noémie Merlant) versucht in den Osten zu gelangen, bis eines Tages das Haus gestürmt wird und sie mit Terrorverdacht festgenommen wird. Ihre ahnungslosen Eltern (Sandrine Bonnai, Zinedine Soualem) sind erschüttert, wie Sonia einen Anschlag planen konnte, um einen „Platz im Paradies“ für ihre Familie zu sichern. Was bringt Teenager dazu sich zu radikalisieren? Lässt sich eine solche Entscheidung verhindern ? Gibt es einen Weg zurück? Und wie kann die Familie damit umgehen? Der Film beschönigt nichts und zeigt die Rekrutierungsstrategien und die Folgen für die Betroffenen und Angehörigen  erschreckend aktuell.

The Happy Film

the-happy-film-2016Matinée, Sonntag 23.04.2017, 11 Uhr
Was macht glücklich? Kann man seine Persönlichkeit umgestalten und ein besserer Mensch werden? Kann man durch Übung lernen, glücklich zu sein? Das sind Fragen mit denen sich der österreichische Grafikdesigner Stefan Sagmeister beschäftigt. Sagmeister, der sehr erfolgreich Plattencover für unzählige Bands von den Rolling Stones über Lou Reed bis Aerosmith gestaltete, plante zunächst 18 Monate lang sich auf die Reise nach dem Glück zu machen. Als Grundidee dienen ihm die drei Wege, die der Psychologe Jonathan Haidt in seinem Buch „The Happiness Hyphothesis“ vertritt: Meditation, Therapie und Drogen. Jeweils drei Monate lang probiert Sagmeister die drei Methoden aus, meditiert in Indonesien, besucht in New York eine Psychiaterin und probiert die Wirkung von antidepressiven Medikamenten aus. Seine Herangehensweise ist nicht systematisch noch wissenschaftlich. Vielmehr setzt er seine subjektive Suche nach dem Glück eigenwillig und medienwirksam in Szene. Und immer wieder kommt ihm das Leben in die Quere.“ Dieser Film führt zu Anfällen von Einsicht, Empathie und purem Vergnügen.“ (Wired)

Manchester by the sea

manchester-by-the-sea-201604.05.2017 bis 10.05.17 täglich um 19:30 Uhr
Lee Chandler (Casey Affleck) haust in einem kleinen Kellerapartment in Boston und verdient seinen Unterhalt als Hausmeister. Verschlossen und introvertiert pflegt er auch keinerlei soziale Kontakte. Als er jedoch vom plötzlichen Tod seines Bruders erfährt, kehrt er in die gemeinsame Heimatstadt Manchester zurück. Dort erfährt er mit großem Erstaunen und einer gewissen Hilflosigkeit, dass sein Bruder ihn zum Vormund seines 16jährigen Sohnes Patrick (Lucas Hedges) ernannt hat. Für Patrick, der 2 Freundinnen hat und in einer Band spielt, kommt es gar nicht in Frage Manchester zu verlassen. Im Gegensatz zu seinem Onkel ist er gut sozial vernetzt. In beiläufig eingefügten Rückblenden und Erinnerungen erfährt der Zuschauer die Hintergründe für die Abgestumpftheit von Lee. Wie jedoch der Regisseur Kenneth Lonergan dies macht, ist grandios. Mit seiner subtilen Beobachtung gelingt ihm die Gratwanderung von tragischen aber auch humorvollen Momenten. Nichts wirkt aufgesetzt oder manieristisch und dennoch zeigt er eine Komplexität und Vielfalt  menschlicher Emotionen, in ihrer Beiläufigkeit sehr außergewöhnlich.

Paterson

paterson-201606.04.2017 bis 12.04.17 täglich um 19:30 Uhr
Jim, Jarmusch ist sich in seinem neuesten Film in gewisser Weise treu geblieben, denn auch hier gibt es einen distanzierten  und etwas in der Welt verlorenen Helden. Paterson (Adam Driver) ist Busfahrer und Poet. Zusammen mit seiner Freundin Laura und dem Boxerhund Marvin führt er ein ruhiges, beschauliches Leben in der Kleinstadt Paterson in New Jersey. Während Laura sich selbstverwirklicht indem sie täglich die Wohnung mit neuen schwarzweiß Mustern verwandelt und Backkunstwerke für Wettbewerbe schafft, liebt Paterson die Ruhe und Routine des Alltags. Jim Jarmusch schildert mit gewohnter Lakonie  die vermeintlich ereignislose Woche: das morgendliche zärtliche Träumeerzählen, das Belauschen der Gespräche seiner Passagiere im Bus, der Spaziergang mit Hund Marvin und der Small-Talk am Tresen der Stammkneipe. Nichts stört den harmonisch absurden ehelichen Schlagabtausch, nichts die beschaulichen Rituale des Alltags. Paterson beobachtet, wahrt Distanz und entdeckt die Poesie in den kleinen Dingen des Lebens, die er schriftlich festhält. Elegant, lakonisch minimalistisch ein echter Jarmusch.

 

Der glücklichste Tag im Leben von Olli Mäki

der-glcklichste-tag-im-leben-des-olliMatinée, Sonntag 19.03.2017, 11 Uhr
In Cannes bekam der finnische Regisseur Juho Kuosmanen für seinen nostalgisch angehauchten Sportfilm den Hauptpreis in der Kategorie des besonderen Films. In Schwarz Weiß Bildern erzählt er die Geschichte des Leichtgewichtboxers Olli Mäki, der 1962 die einmalige Chance bekommt gegen den bis daher unbesiegten amerikanischen WM Titel Inhabers Davey Moore an zu treten. Sein Trainer und ehemaliger Weltmeister hat die Vision ihn als glamourösen Boxstar und nationalen Hoffnungsträger auf zu bauen. Doch dies entspricht keineswegs dem Wesen des schüchternen zurückhaltenden Olli Mäki, der sich gerade frisch verliebt hat. Als er nach Helsinki ziehen muss, nimmt er kurzerhand seine frisch verlobte Raija mit. Während sein Trainer um Ehrgeiz und Erfolgt  seines Zöglings bangt, fühlt dieser sich immer unwohler im Rampenlicht der Sportpresse und weiß längst, dass ihn der Sieg allein nicht glücklich macht. Kuosmanen ist ein ästhetisch beeindruckend romantisches Boxer- und Liebesdrama gelungen, augenzwinkernd humorvoll und mit unverfälschten Gefühlen.

Salesman

the-salesman-forushande-2016Donnerstag, 02.03.2017 bis Mittwoch, 08.03.2017 täglich um 19:30 Uhr
Der neue Film des iranischen Regisseur Asghar Farhadi (Nader und Simrin) verwebt geschickt Realität und Fiktion.  Das liberale und kulturinteressierte Ehepaar Emad und Rana probt mit ihrer Laiengruppe „Tod eines Handlungsreisenden,“ als sie eines Tages aus ihrem einsturzgefährdeten Haus ausziehen müssen. Schnell ist eine einstweilige Bleibe in einem etwas verkommenen Haus gefunden. Dort wird Rana von einem Unbekannten überrascht und verletzt. Wie sich herausstellt war ihre Vormieterin eine Prostituierte, was im Iran illegal und strafbar ist und der Täter war vermutlich ein Freier. Rana möchte den Vorfall am liebsten vergessen und spielt das Geschehen vor ihrem Mann herunter. Emad, der anfangs verständnisvoll ist merkt, dass sie sich immer mehrt distanziert und beginnt fieberhaft nach dem Täter zu suchen, statt sich um Rana zu kümmern. Schon bald verändert sich ihre Beziehung. Mit seiner präzisen und packenden Beziehungsstudie vermag Farhadi auch die streng patriarchisch dominierte iranische Gesellschaft zu kritisieren. In Cannes wurde der Film dafür mit den Preisen für das Beste Drehbuch und den Besten Schauspieler (Shahab Hosseini) ausgezeichnet; zu Recht –ein starkes und emotionales Ehedrama das nachhallt.

Mali Blues

mali-blues-2016-filmplakat-rcm236x336uMatinée, Sonntag, 19.02.2017, 11 Uhr
Der Regisseur Lutz Gregor zeigt in seinem mitreißenden Roadmovie wie vielfältig und wie wichtig auch in politischer Hinsicht die Musik in Mali ist. So lebt der Tuareg „Ahmed Ag Kaed“, der im Morgengrauen auf seiner Gitarre in einer Mischung aus Trauer und Freude von der Schönheit der Sahara und von Krieg und Freiheit berichtet, nun in Bamako im Exil.
Anders engagiert sich der Jurist und gläubige Moslem „Master Soumy“, der mit Hip-Hop Klängen gegen den islamischen Fanatismus und staatliche Korruption auf der Strasse rappt.  Am bekanntesten jedoch ist die international berühmte malische Sängerin „Fatoumata Diawara“, die sich unerschrocken mit ihren Rhythmen aus Folk und Funk für den Frieden in Mali und für das Ende der Zwangsheirat einsetzt. Allen gemeinsam ist ihre Auffassung: „Wir Musiker haben Stimmen, die stärker sind als Waffen“, so erklärt es der traditionelle Griotsänger „Bassekou Kouyoaté“.  Er erinnert daran, dass Malis Musik zum musikalischen Welterbe zählt. Hier liegen die Wurzeln des Blues und des Jazz, den die westafrikanischen Sklaven auf die Baumwollfelder Nordamerikas mitgebracht haben. „Mali Blues“ zeigt wie die leidenschaftlich engagierten Künstler im Alltag mit ihrer Musik ein Statement für Frieden und Toleranz geben und vor einem undifferenzierten Feindbild „Islam“ warnen. Ein faszinierender Film mit einem Feuerwerk an Klängen und Rhythmen.

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Frantz

frantz-2016-filmplakat-rcm236x336uDonnerstag, 02.02.17, bis Mittwoch 08.02.17 täglich, außer Montag, 17:00 Uhr Montag um 19:45 Uhr
Der neueste Film von Francois Ozon nimmt das 100jährige Gedenken an die verheerende Schlacht von Verdun zum Anlass um das Verhältnis von Deutschen und Franzosen nach dem Ersten Weltkrieg zu schildern. 1919 lebt die junge Anna in Quedlinburg und besucht täglich das Grab ihres gefallenen Verlobten Frantz. Dort trifft sie auf einen Fremden und wie sich herausstellt ist er Franzose. Doch Annas Neugierde auf die Schilderungen, die Adrien ihr von Frantz erzählt, lassen ihre nationalen Ressentiments und das Misstrauen gegenüber dem Feind in den Hintergrund treten. Langsam entwickelt sich eine Freundschaft, die Adrien jedoch mit seinem Geheimnis aufs Spiel setzt. Je mehr sich Frantz, Anna und ihre Quasi-Schwiegereltern kennen lernen, desto deutlicher wird das Leid das beide Seiten durch den fanatischen Patriotismus erlitten. Die fast durchgängigen Schwarz-Weiß-Bilder verleihen der wechselvollen Beziehung von Franz und Anna eine für Ozon typische Präzision und Distanz. Gleichzeitig wird der Blick des Zuschauers auf die universellen Fragen nach Schuld und Vergebung, Leid und Lügen gelenkt. Was ist Wahrheit, was ist Lüge, vor allem aber sind manche Lügen nicht sogar sinnvoll? Der Film ist ein Plädoyer für die Überwindung des immerwährenden Kreislaufs von Gewalt und Vergeltung, von Hass und Fremdenfeindlichkeit. Ein großer Film auch Dank der überragenden schauspielerischen Leistungen von Paula Beer.

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el olivo

 el-olivo-der-olivenbaum-2016-filmplakat-rcm236x336uDer neueste Film von Iciar Bollain spielt im Krisen geschüttelten Spanien. Ramon hat seine Plantage zusammen mit einem uralten Olivenbaum, seinem Sohn vermacht. Seit Alters her, ist der Olivenbaum das Symbol für Fruchtbarkeit, das harmonische Miteinander von Mensch und Natur, für (Familien-) Tradition.  Als der Olivenbaum jedoch um des Profites Willen verkauft wird, spricht Ramon kein Wort mehr mit seinem Sohn. Immer wieder sucht er den Platz auf, wo sich der Olivenbaum befand. Seine rebellische und impulsive Enkelin Alma, die als Kind oft im Olivenbaum kletterte erkennt seine Sehnsucht. Zusammen mit ihrem arbeitslosen, exzentrischen Onkel und ihrem Kumpel macht sich die Zwanzigjährige auf nach Deutschland, um den Baum zurück zu kaufen. Keine leichte Aufgabe, steht dieser doch längst im Atrium eines Düsseldorfer Energiekonzerns und ziert dessen Firmenlogo als Symbol für Nachhaltigkeit.

Donnerstag, 15.9.16 bis Mittwoch, 21.09.16 täglich, außer Samstag, 19:45 Uhr; Samstag um 17:00 Uhr

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