Fridas Sommer

Donnerstag, 13.09.18 bis Mittwoch, 19.09.18 täglich um 19.45 Uhr
Der erste Film der spanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Carla Simon erzählt von dem Sommer in dem die sechsjährige Frida, nach dem Tod des Vaters vor einiger Zeit nun auch ihre Mutter (HIV) verliert. Sie zieht von der Großstadt Barcelona aufs Land zu der Familie ihres Onkels. Erst langsam gewöhnt sie sich an die neue Situation und Umgebung. Mit ihrer jüngeren Cousine Anna erkundet sie die idyllische Gegend und alles scheint gut. Doch plötzliche Gefühlsausbrüche zeigen ihre labile Gefühlslage. Der Film zeigt auf sehr einfühlsame Weise aus dem Blickwinkel Fridas, wie sie den Verlust, der Trauer und der neuen Identitätssuche bewerkstelligt. Unter anderem bekam der Film 2017 in Cannes den Großen Preis der Internationalen Jugend-Jury.

 

Was werden die Leute sagen?

Donnerstag, 04. 10. 18 bis Mittwoch 10.10.18 täglich, außer Samstag, um 19:45 Uhr; Samstag um 17:00 Uhr
Die fünfzehnjährige Nischa lebt mit ihrer pakistanischen Familie in Norwegen. Sie spielt Basketball, hat Freunde und ist verliebt. Gleichzeitig ist sie die brave pakistanische Tochter, die scheinbar nicht von einer westlichen Lebensweise beeinflusst ist. Nischa gelingt die Gratwanderung zwischen den Kulturen bis sie von ihrem Vater mit einem Jungen erwischt wird. Die Familie entführt sie nach Pakistan zu Verwandten, um ein Exempel zu statuieren. Für Nischa, die keine Rebellin ist, wird der Konflikt zwischen Familie, Traditionen und ihrem eigenen Lebensentwurf unerträglich. Doch auch ihr Vater merkt, dass er eigentlich viel liberaler ist und mit seiner restriktiven Entscheidung die Hoffnung auf ein besseres westliches Leben verrät. Spannend und einfühlsam beleuchtet der Film die vielschichtigen Charaktere. Ein aktuelles und sehenswertes Statement, dem die eigenen Erfahrungen der iranisch-norwegischen Regisseurin Iram Haq zu Grunde liegen.

 

 

Isle of Dogs: Ataris Reise

05.07.2018 bis 11.07.2018 täglich um 19:45 Uhr
Mit seinem neuen Animationsfilm ist Wes Anderson (Hotel Budapest, Der wunderbare Mr. Fox) wieder eine eindrucksvolle Tierparabel gelungen. Der Film spielt in einer fiktiven Megacity in Japan. Dort hat der mächtige Katzen liebende Bürgermeister alle Hunde auf eine Müllinsel vor der Küste verbannt , um einer angeblichen Hundeseuche vorzubeugen. Unter den Hunden befindet sich auch der Lieblingshund seines Sohnes Atari. Der nimmt daraufhin Reißaus und begibt sich auf die „Isle of dogs“. Dort trift er ein Rudel Hunde trifft, die ihm auf seiner abenteuerlichen Suche helfen. Langsam offenbart sich unter der ästhetischen und unterhaltsamen Erzählung eine bitterböse Parabel. Ausgrenzung, Populismus, Korruption und Diktatur sind Themen, die Wes Anderson streift. Dennoch ist der Film amüsant dank der pfiffigen Dialoge der Hunde und deren starker Charaktere.

 

 

Transit

transit-2018-filmplakat-rcm150x212Donnerstag 07.06.2018 bis Mittwoch 13.06.18; täglich um 19:45 Uhr; Samstag und Sonntag zusätzlich um 16:45 Uhr
In den 40er Jahren hält sich der junge Deutsche Georg (Franz Rogowski) in Paris auf, als er den Auftrag bekommt einem Schriftsteller Briefe nach Marseille zu überbringen. Dort trifft er auf viele Emigranten, die verzweifelt auf ihr Visa und die erhoffte Schiffpassage nach Amerika warten. Als sich herausstellt, dass der Schriftsteller Selbstmord begangen hat, plant Georg mit dessen Identität die Flucht nach Mexiko. Doch da trifft er auf die geheimnisvolle Marie (Paula Beer), in die er sich verliebt und die selbst auf der Suche nach ihrem Mann einem Schriftsteller ist…. Christan Petzold hat in der Adaption von Anna Seghers Buch das Thema Flucht aktualisiert, indem er die Handlung ohne historische Kulisse in die heutige Zeit verlegt. Eine Stimme aus dem Off (Matthias Brandt) kommentiert die Handlung. Damit wird die existentielle Erfahrung von Transit, den Ängsten, Schuldgefühlen, Hoffnungen, Verrat der Personen im Schwebezustand des Gehens und Ankommens Rechnung getragen – gleich in welcher Epoche diese Erfahrung gemacht wird.

Sommerhäuser

sommerhuser-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 03.05.18 bis Mittwoch,09.05.18 – täglich um 19:45 Uhr
Auf dem Münchner Filmfest erhielt Sonja Marie Kröner den Förderpreis des Neuen Deutschen Kinos für ihren Debütfilm. „Sommerhäuser“ zeigt den Mikrokosmos einer Familie, deren drei Generationen sich im Ferienhaus der verstorbenen Großmutter einfinden. Im Sommer 1976 künden die Plakate vom Bundeswahlkampf Schmidt gegen Kohl und es ist unheimlich heiß. Ein Abenteuer für die drei Kinder, die sich mit Walkie-Talkies bewaffnet in den verwunschenen Nachbarsgarten mit den unheimlichen Voodoo-Puppen wagen, während es mit der familiären Toleranz der Erwachsenen nicht weit her ist, wenn es um die Frage der weiteren Zukunft des Grundstücks geht. Wie kurze heftige Gewitter entladen sich die Konflikte bevor sich der träge Müßiggang eines Jahrhundertsommers bei Erdbeerrolle und Frankfurter Kranz einstellt. Neben der atmosphärisch dicht gezeichneten Zeitkapsel zeigt der Film die wunderbar scharf beobachteten Perspektiven der Kinder- und Erwachsenenwelt. Ein Meisterwerk Dank der Schauspieler: u.a. Mavie Hörbiger, Thomas Loibl, Günther Maria Halmer und Ursula Werner. Das Drehbuch von „Sommerhäuser ist so dicht wie zart, so genau wie schwebend und driftet nie in falsche Nostalgie ab“, hieß es erst kürzlich bei der Verleihung des Bayrischen Filmpreises für das beste Drehbuch.

Leaning into the wind – Matinée

leaning-into-the-wind-andy-goldsworthy-2017-filmpl-333-rcm150x212Sonntag, 22.04.2018, 11 Uhr
2001 erhielt der Münchner Filmemacher Thomas Riedelsheimer den Deutschen Kamerapreis für seinen Dokumentarfilm „Rivers and Tides“ über die Arbeiten des britischen Künstlers Andy Goldsworthy, der zu den wichtigsten Vertretern der Land-Art gehört. Nun dokumentiert Riedelsheimer erneut dessen außergewöhnliche Arbeiten. Goldsworthys benutzt ausschließlich Naturmaterialien wie Steine, Blüten oder Holz, die er vor Ort vorfindet, um daraus Kunstwerke zu schaffen. Dabei ist es ihm wichtig, die verborgene Schönheit des jeweiligen Ortes für eine kurze Zeit mit einer vollendenten Komposition von Form und Farbe zu zeigen. Diesen vergänglichen Kunstwerken hält er in seinen Fotografien und Kunstbüchern fest. Riedelsheimer ist es gelungen, die Arbeiten eines gereiften, und nachdenklichen Künstlers fest zu halten – ob auf Schafweiden, in einem schottischen Felsengrab, oder Schilfgeflechten in Zentralafrika,. Entstanden ist ein sprühender, farbenfroher und dennoch kontemplativer Film, der kongenial mit Soundbites von Fred Firth untermalt ist.

The Square

the-square-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 05.04.2018 bis Mittwoch, 11.04.18; täglich um 19:30 Uhr
Ruben Östlund, der Regisseur (Höhere Gewalten 2014 ) und Künstler hat seine Installation „The Square“ (2015 im Design Museum Värnamo) zum Ausgangspunkt für eine opulente und witzige Kunst-Satire gemacht. Ein Quadrat (4x4m) fungierte als Schutzzone, indem jedem ohne Vorbehalte und Bedingungen Hilfe gewährleistet werden sollte. Doch wieweit ist es mit diesem gutgemeinten Anspruch her? Im Mittelpunkt des Films steht der smarte egoistische Kurator Christian, der beruflich und privat einige Herausforderungen zu meistern hat. Eine äußert fragwürdige Aktion sein gestohlenes Handy zurück zu erlangen und der One-Night–Stand mit einer feministischen Kunstkritikerin (Elisabeth Moss) bringen ihn nicht nur moralisch in die Bredouille. Richtig schlimm wird es, als die Raubtierperformance auf einer Gala aus dem Ruder gerät und der Affe (Terry Notary) die Gäste schmerzhaft brüskiert. Äußerst amüsant, kurzweilig und klug lenkt der Film den Blick auf den heutigen Kunstbetrieb, in dem mangelnde Menschlichkeit und Manipulation, Macht und Missbrauch zur Tagesordnung gehören. Dafür bekam er in Cannes die Goldene Palme.

Untiteld – Matinée

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Der schönste Film, den ich mir vorstellen kann, ist ein Film, der nicht zur Ruhe kommt“ sagte der österreichische Filmemacher Michael Glawogger. Sein größter Wunsch war es ein Dokumentarfilm ohne Thema, ohne Ziel zu machen, um seinen vielfältigen Eindrücken einen Raum zu geben. Ende 2013 begab er sich über Serbien, Kroatien und Italien nach Afrika, wo er unerwartet in Mauretanien an Malaria verstarb. Sein umfangreiches Filmmaterial hat die Cutterin Monika Willi zu einer beeindruckenden Collage montiert, die seinen besondern Blick auf die Welt zeigt. So wechseln Episoden von verschneiten Bergdörfern, lachenden Kindern auf Müllhalden, fliegende Vogelschwärme, einbeinigen Fußballspielenr mit westafrikanischen Fischermärkten. Der Film ist eine Hommage an Michael Glawogger, der mit „wachen Sinnen und offenem Herzen durch die Welt reist“ und der uns die Welt mit all ihrem Elend, ihrer Schönheit und Brutalität vor Augen führt und uns zuraunt, das ist das Leben unendlich tragisch und wunderschön.

 

Lux Krieger des Lichtes

lux-krieger-des-lichts-2017-filmplakat-rcm150x212Donnerstag, 01.03.2018 bis Mittwoch, 07.03.18 täglich um 19:30 Uhr
Torsten (Franz Rogowski) arbeitet auf einem Gemüsegroßmarkt, kümmert sich um seine todkranke Mutter und tut Gutes. Dank seiner Maskerade als „Lux, Krieger des Lichtes“ bleibt er als der große Unbekannte unerkannt, der Care-Pakete an Obdachlose verteilt und Jugendlichen ungefragt gute gemeinte Ratschläge erteilt. Wer denkt da nicht an Clark Kent als Superman? Als ein junges Filmteam auf „Lux, den Kriegers des Lichtes“ trifft, wittert es die Chance einen Dokumentarfilm über diesen Helden des Alltags zu drehen. Doch der Produzent fordert mehr reale Verbrechensbekämpfung als nur die guten Taten im Kleinen. Dadurch gerät nicht nur das Filmprojekt ins Wanken. „Lux“, der mit seinen Taten dem
Egoismus der Gegenwart zu trotzen sucht, wird zum Spielball einer profitgierigen Filmindustrie, die ihn in den sozialen Netzwerken mal als Superheld, mal als Witzfigur feiert. Dem jungen Regisseur Daniel Wild ist eine Tragikomödie über die Herausforderungen des realen Heldentums gelungen. Wieviel muss der naive Held von seiner wahren Identität preisgeben, um in der Welt der gnadenlosen Inszenierung bestehen zu können?

Mein Leben ein Tanz – Matineé

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Die Flamenco-Tänzerin „La Chana“, die mit gebürtigem Namen Antonia Santiago Amador heißt, avancierte in den 60er Jahren zum Star. Früh setzte sie sich gegen den väterlichen Widerstand durch und wurde schon als Teenager als großes Talent gefeiert. Zu ihren Bewunderern zählten Salvador Dali und Peter Sellers, der sie als Tänzerin in „Bobo ist der Größte“ besetzte und sie nach Hollywood bringen wollte. Doch ihr gewalttätiger Mann gönnte ihr die Karriere nicht und sie kapitulierte. Sieben Jahre später wurde sie, mittlerweile mit einer kleinen Tochter, von ihrem Mann verlassen. Der Film zeigt exemplarisch das Schicksal einer Roma-Frau, der in der spanischen Gitano-Kultur traditionell wenig Rechte zugebilligt wurde. Doch eine zweite Ehe verlief glücklich und sie wagte 30 Jahre später ein Comeback. Immer noch begeistert sie mit ihrer Leidenschaft und Agilität, die selbst mit diabetis-geplagten Beinen gelebt wird. Dann wird eben im Sitzen getanzt – ein fulminantes begeisterndes Statement – frei nach Pina Bausch: Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren!