Sorry we missed You

Donnerstag, 06.08.20 bis Mittwoch, 12.08.20
Auch der neueste Film von Ken Loach ist wieder in der Arbeiterschaft des nordenglischen Newcastle angesiedelt. Ricky (Kris Hitchen) macht sich als Paketfahrer selbstständig als Teil eines Franchise Unternehmens, das ohne feste Arbeitszeiten nach Schnelligkeit der Lieferung und Schwierigkeit der Lieferroute bezahlt. Seine Frau Abbie verkauft ihr kleines Auto, auf das sie als ambulante Krankenschwester angewiesen ist, damit ihr Mann sich einen Lieferwagen für den neuen erfolgsversprechenden Jobs kaufen kann. Doch der Traum einer erfolgreichen Selbstständigkeit erweist sich als fatal. Denn das ständige Streben nach Gewinnmaximierung führt zu Einsparungen von Sozialstandards und Arbeitnehmerrechten, die jegliche Menschlichkeit außer Acht lassen. Wie gewohnt zeigt Ken Loach schonungslos das Schicksal der Arbeiterklasse hier am Beispiel eines Paketboten, das in seiner Universalität aufrüttelt.

Was gewesen wäre

Donnerstag, 03.09.20 bis Mittwoch, 09.09.2020
Die frisch verliebte Mittvierzigerin Astrid (Christiane Paul) und ihr neuer Freund Paul (Ronald Zehrfeld) planen ihre erste gemeinsame Reise nach Budapest. Hier verbrachte sie, die in der DDR aufwuchs, einige Zeit. Als sie im Hotel (Gellert) jedoch unerwartet auf ihre Jugendliebe Julius und seinen Halbbruder Sascha trifft, kommen all die Erinnerungen an eine schöne jedoch schwierige Zeit auf. Gemeinsam mit ihrer Freundin Jana besuchte sie damals eine verbotene Künstlerparty, auf der sie Julius traf. Jana floh in den Westen ebenso wie Julius, der die Flucht eigentlich gemeinsam mit Astrid plante. Der Regisseur Florian Koerner von Gustorf, der u.a. Barbara und Jerichow unter der Regie von Christian Petzold produziert hatte, erzählt hier undramatisch von den Enttäuschungen und falschen Entscheidungen, der Frage nach Kampf und Resignation, damals wie heute mit Blick auf eine umgrenztes Ungarn.

Das Vorspiel

Donnerstag, 01.10.20 bis Mittwoch 07.10.2020
Als die Musiklehrerin Anna (Nina Hoss) den jungen schüchternen Schüler Alexander bei der Aufnahmeprüfung der Musikschule hört, ist sie überzeugt ein Ausnahmetalent zu entdecken. Ihr selbst blieb eine Musikerkarriere verwehrt, umso intensiver wendet sie sich seiner Ausbildung zu. Darunter beginnt immer mehr ihre Beziehung zu ihrem Sohn, ihrem Mann und ihrem Liebhaber zu leiden, bis ihre Welt aus den Fugen gerät. Meisterhaft blickt die Regisseurin Ina Weisse (Werk ohne Autor) hinter die Fassade von Anna und zeigt wie sie mit Disziplin und Perfektionismus gegen Versagensängste und Verletzlichkeiten ankämpft. Sie beleuchtet sensibel die vielfältigen Facetten ihrer Beziehungen und schafft ein komplexes Porträt einer Frau, die im Zwiespalt mit sich selbst ist. Gleichzeitig wird die gnadenlose Welt der Musik beleuchtet, zwischen Streben nach absolutem Perfektionismus, Aufopferung und Leistungsdruck. Nina Hoss wurde auf dem Filmfestival für ihre schauspielerische Leistung in San Sebastian als beste Darstellerin ausgezeichnet.