Gelobt sei Gott

Sonntag, 19.01.2020, Matinée
Der gut situierte fünffache Familienvater Alexander lebt in Lyon, als er zufällig erfährt, dass der Priester von dem er 3 Jahre lang missbraucht wurde, immer noch mit Kindern arbeitet. Obgleich die Taten schon verjährt sind, gründet Alexander mit zwei weiteren Opfern, dem Atheisten François und dem Rocker Emmanuel, einen Verein „La Parole Libérée“ – das befreite Wort, um gegen das Schweigen an zu gehen und weiteren Opfern zu helfen. Gut recherchiert und ohne großes Pathos zeigt der Film, wie drei ganz unterschiedliche Menschen mit ihren Traumata umgehen; wie unterschiedlich die Auswirkungen auf die Betroffenen und ihre Familien sind; wie schwierig das Outing als Missbrauchsopfer ist und wie wenig selbstverständlich der Umgang damit ist. Umso wichtiger wird ihr gemeinsamer Widerstand gegen die katholische Kirche, die sich scheut, Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen. Der französische Starregisseur Francois Ozon (8 Frauen; Jung & Schön) hat hier, für ihn eher untypisch, ein nüchternes und dennoch mitreißendes Drama geschaffen. Auf der Berlinale erhielt er dafür den Silbernen Bären.

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