Wajib

Sonntag, 16.02.2020, Matinée
„Wajib“ bedeutet so viel wie „Soziale Pflicht“ und dementsprechend gilt es nach palästinensischer Sitte als respektlos, wenn die Einladungen zu einer Hochzeit nicht persönlich durch die Männer der Familie überbracht werden. Daher reist der Architekt Shadi, der seit langem in Rom lebt, in seine Geburtsstadt Nazareth, denn seine Schwester heiratet. Zusammen mit seinem Vater Abu begibt er sich in einem klapprigen Volvo auf die Fahrt um 300 Einladungen an Verwandte und Freunde zu überbringen. Der Vater ist enttäuscht, dass der Sohn ins Exil gegangen ist, während der Sohn die Toleranz seines Vaters gegenüber den Israelis nicht akzeptiert. Fast kammerspielartig folgt die palästinensische Regisseurin Annemarie Jacir den Streitgesprächen von Vater und Sohn im Auto. Dabei werden die unterschiedlichen Standpunkte deutlich, die mit den Besuchen der Verwandten und Bekannten entsprechend mal die eine mal die andere Seite vertreten. Eindrucksvoll schildert Jacir die verschiedenen Lebensumstände und familiäre Konflikte. Nie jedoch bezieht sie Stellung. Am Ende kann und muss sich eben jeder selbst ein Bild machen.

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